Die Stadtbücherei im Wilhelmspalais lädt am Mittwoch, 20. Januar, um
18 Uhr zu einer Wintersalon-Marathon-Lesung ins Mörike-Kabinett ein. Michael Speer liest den von den Besucherinnen und Besuchern ausgewählten Titel Die Kreutzersonate von Leo Tolstoi. Der Eintritt ist frei.
Die Novelle spiegelt die Szenen einer Ehe im Russland des 19. Jahrhunderts wider. Liebe und Eifersucht, körperliches Begehren und Sinnlichkeit, gesellschaftliche Konventionen und Ehebruch sind ihre Grundthemen. Mit diesem Alterswerk, das teilweise autobiografische Züge trägt, ist Tolstoi ein tiefgreifendes Psychogramm einer zerrütteten Ehe gelungen.
Lew Nikolajewitsch Tolstoi stammte aus altem russischen Adelsgeschlecht. Nach seinen Studien meldete er sich zum Militärdienst und nahm bei den Kämpfen um Sewastopol am Krimkrieg teil. Um seinem ausschweifenden Leben in Moskau zu entkommen und sich selbst zu erziehen, zog er sich nach seiner Heirat mit Sofja Andrejwna Behrs auf das väterliche Gut Jasnaja Poljana zurück. Auf der Suche nach moralischer und religiöser Wahrheit wurde Tolstoi zum rigorosen Moralisten. Seine ethisch-religiösen Schriften lehnten jegliche staatliche oder kirchliche